Mein Sein ist mehr als mein Haben – Fünf Fragen an Schwester Miriam Altenhofen

Miriam Altenhofen

Sr. Miriam Altenhofen SSpS ist Mitglied einer katholischen Ordensgemeinschaft, von Beruf Psychologische Psychotherapeutin. Sie war bis vor kurzem Leiterin ihrer Gemeinschaft. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt der Hochschule der Jesuiten in München. Für mich eine wahre Inspirationsquelle für das Nachdenken über Geld! Lesen Sie selbst:

Was bedeutet Ihnen Geld in Ihrem Leben?
Miriam Altenhofen: „Geld ist für mich ein notwendiges Tauschmittel, das einen Wert darstellt, für den ein anderer materieller Gegenwert oder eine Dienstleistung eingekauft werden kann. Geld erleichtert so manche Transaktion im Leben und wir müssen nicht mit Gegenständen rumlaufen, die wir dann eintauschen, so wie es unsere Vorvorfahren noch gemacht haben.
Geld an sich ist erst einmal weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, wie ich damit umgehe und was ich damit mache. Ich kann damit ‚raffen‘ und anhäufen, ich kann damit großzügig sein und andere unterstützen. Mir wird immer deutlicher: das Wichtigste im Leben kann ich mir nicht kaufen und ich kann es mir auch nicht verdienen. Liebe und Freundschaft sind nicht durch Geld zu erwerben, sondern sie werden geschenkt. Einfach nur geschenkt. In Afrika und Indien habe ich gelernt, mit wie wenig ich glücklich und zufrieden sein kann. Es waren die Begegnungen mit Menschen, die mir ganz neu die Augen geöffnet haben, die meinen Horizont erweitert haben.
Ich bin ein gläubiger Mensch und glaube, dass Gott die Fülle ist. Das befreit mich von der Angst, zu kurz zu kommen. Ich darf das Leben als Geschenk betrachten und verliere nichts, wenn ich verschenke.“
Wann hatten Sie zum ersten Mal im Leben eigenes Geld?
Miriam Altenhofen: „Bei uns zu Hause gab es einen Brauch: Wir gingen als Kinder an Neujahr zu Nachbarn und Bekannten und wünschten ihnen ein gutes neues Jahr. Im Gegenzug bekamen wir dafür Süßigkeiten oder Münzen in die Hand gedrückt. In der Grundschule bekam ich mein erstes Taschengeld. Ich war stolz, nun ein eigenes kleines Portemonnaie zu besitzen. Das große Portemonnaie meiner Eltern lag immer offen in einer Schublade. Wenn jemand einkaufen ging und etwas brauchte, konnte man sich da bedienen.
Mit 17 bekam ich eine Erbschaft. Für meine Begriffe war es damals eine Riesensumme. Ein Drittel reservierte ich für eine dreimonatige Indienreise nach dem Abitur, ein Drittel für mein zukünftiges Studium und ein Drittel spendete ich an ein Waisenhaus. Das hatte ich von meinen Eltern gelernt. Geld ist notwendig und es ist da, um auch etwas Gutes zu tun. Von daher waren meine Eltern nicht sehr überrascht, als sie erfuhren, was ich mit dem Geld gemacht hatte. Sie waren stolz auf mich, dass ich ihr Beispiel verstanden hatte. Schon damals war mir klar, ich will nicht nur für mich selbst leben, sondern etwas tun, das auch anderen Menschen nutzt und dass es so uns allen besser gehen kann. Dafür will ich mich einsetzen.“
Beschäftigen Sie sich gerne mit Geld?
Miriam Altenhofen: „Geld ist etwas, das ich brauche, aber an das ich mein Herz nicht hängen möchte. Von daher beschäftige ich mich mit Geld in einer eher sachlichen Weise. Als ich eine Leitungsaufgabe innerhalb unserer Gemeinschaft hatte, gehörte es dazu, dass ich mich mit Geld, Geldanlagen, Häusern usw. beschäftigte. Mir war es dabei wichtig, z.B. den Altersfond unserer Ordensgemeinschaft nur in ethisch vertretbaren Anlagen zu investieren, also Anlagen, die sowohl die Menschen als auch die Umwelt schützen.
Ich glaube, wir schädigen uns selbst, wenn wir dem Motto: ‚Geiz ist geil‘ folgen oder materielle Werte ‚verkaufen‘, die nicht durch tatsächliche Werte gedeckt sind. Zum Umgang mit Geld gehört für mich unbedingt Transparenz und dass ich über den Gebrauch und Umgang anderen gegenüber offen und guten Gewissens Rechenschaft ablegen kann.“
Welchen Geldtipp würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Miriam Altenhofen: „Es ist gut und schön, sich als junger Mensch schöne Dinge zu kaufen: Kleidung, Schuhe, Kosmetikartikel, Schmuck. Es ist jedoch auch gut, sein Herz weder an diese Dinge noch an Geld zu hängen. Mein Wert ist nicht abhängig von materiellen Dingen oder Karriere. Mein Sein ist mehr als mein Haben. Es ist ebenfalls gut, sich das Geld einzuteilen. Auch mal für eine Anschaffung länger zu sparen und nicht alles, was mir gefällt, sofort zu kaufen und mich vielleicht noch zu verschulden. Auch in einer Familie oder Beziehung spielt Geld keine unbedeutende Rolle. Wie gehen wir damit um? Wie teilen wir es ein? Wie planen wir auch langfristig, z.B. bei größeren Anschaffungen? Geld führt in vielen Beziehungen zu Streit und sogar zur Trennung – und das ist schade.“
Wenn Sie viel Geld hätten, was würden Sie damit machen?
Miriam Altenhofen: „Ich würde erst gucken, was brauchen wir als Gemeinschaft für die Zukunft? Das würde ich zur Seite legen oder für diese Bedürfnisse einsetzen. Als nächstes würde ich das Geld in Projekte zur Ausbildung von Menschen z.B. im Südsudan investieren. Menschen fit machen, dass sie ihr Leben selber und besser in die Hand nehmen können – das wäre mein Ziel.“
Verwirklichen Sie Ihre Wünsche und Träume mit Hilfe von Geld?
Miriam Altenhofen: „Für mich ist der reich, der viel gibt. Mein größter Wunsch ist es, ein Mensch mit einem großzügigen, weiten, liebenden Herzen zu werden. Diesen Wunsch kann ich mir mit Geld nicht erfüllen. Das hat eher mit einer lebenslangen Arbeit an mir selbst zu tun, immer wieder auch mit einer Änderung bzw. Erweiterung meines Bewusstseins. Daneben gibt es natürlich schon auch kleinere Wünsche, die ich mir mit Geld erfülle.“
Vielen Dank!
Übrigens: Alle Informationen über den Workshop „Mein Leben, mein Geld“ finden Sie hier. Sind Sie dabei?

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