Mit Kunst und Mut das Leben gestalten – Interview mit Bettina Grosselfinger

Ein Einkommen kann nicht nur aus einem festen Gehalt fließen: Bettina Grosselfinger ist Autorin, bildende Künstlerin, Trauerbegleiterin, Gestalterin von Grabmalen und kreative Unternehmerin. Für den 18. Goldenen Abend am 23.07.2026 in Neubiberg bei München spreche ich mit ihr darüber, wie man finanzielle und persönliche Freiheit durch Diversifikation erreicht, warum jeder Tag kostbar ist und wie man den Mut findet, neue Wege zu gehen.

Für mich ist sie ein Gesamtkunstwerk: Bettina Grosselfinger ist eine Frau, die ihr Leben immer wieder neu erfindet – und dabei konsequent ihrem inneren Kompass folgt. Schon während ihres Germanistikstudiums schrieb sie als Redakteurin und Autorin, später führte sie ihre Liebe zur Literatur in die Verlagswelt. Heute lebt sie als bildende Künstlerin am Wörthsee und hat sich ein beeindruckend vielfältiges Portfolio aufgebaut: Sie malt, gestaltet Grabmale aus Metall, begleitet Trauernde, schreibt Kurzgeschichten und gibt Kreativ‑Workshops.

Ihre beruflichen Wege wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich – doch sie verbindet ein roter Faden: Mut, Neugier und die Überzeugung, dass Einkommen aus vielen Quellen entstehen kann, wenn man seine Talente ernst nimmt und seine Ressourcen nutzt. Bettina zeigt, wie ein Leben aussehen kann, das nicht linear verläuft, sondern organisch wächst – getragen von Kreativität, Empathie und einem starken Netzwerk.

Vor unserem Goldenen Abend habe ich mich schon einmal mit ihr über „Mein Leben, mein Geld“ unterhalten:

Bettina Grosselfinger

Annegret Kitzmann-Schubert: Bettina, was hat Dich geprägt – welche Erfahrungen haben deinen ungewöhnlich vielfältigen Lebensweg möglich gemacht?

Bettina Grosselfinger: Auf diese Frage gibt es so viele Antworten… und hier sind wir schon genau beim Thema: Für welche soll ich mich entscheiden? Eine Antwort ist: mir fiel und fällt vieles ganz leicht. Das ist etwas sehr Positives! Andererseits habe ich dadurch nie gelernt, mich durchzubeißen. Etwas zwei, drei, viermal versuchen, und es vielleicht erst beim siebten Mal schaffen! Ich war immer empört, wenn ich etwas nicht gleich geschafft habe – und bin weitergehüpft wie ein Schmetterling.

Nur, dass das auf dein Leben bezogen nicht immer funktioniert. Ich habe mich zum Beispiel nie irgendwo beworben. Ich wurde von irgendjemand empfohlen. Wenn das einigermaßen lief, habe ich das gemacht. Bei dieser Lebensweise läuft man Gefahr, seine echten Ziele aus den Augen zu verlieren. Mich haben erst Lebenskrisen und Schicksalsschläge zu mehr Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit gezwungen. Heute bin ich froh darüber. Das war und ist mein Leben! Deshalb sitze ich heute hier und dafür bin ich sehr dankbar.

Annegret Kitzmann-Schubert: Du hast ein beeindruckend breites Portfolio aufgebaut. Wie entstand diese Mischung und aus Schreiben, Kunst, Trauerbegleitung und Grabmalgestaltung?

Bettina Grosselfinger: Um es auf den Punkt zu bringen: eins entwickelte sich aus dem anderen. Als ich zehn Jahre alt war, hatte ich zwei Traumberufe: Schriftstellerin und Modedesignerin. Beides wurde mit von meinen liebevollen, um meine Zukunft besorgten Eltern ausgeredet. Ich absolvierte nach dem Abitur auf den Rat meines Vaters hin ein Zeitungsvolontariat und wurde so Redakteurin. Ein genialer Rat war das! Vieles, was später folgte, konnte ich auf dieser Erfahrung, diesem Abschluss aufbauen. Ich jobbte während des Studiums in München bei der „Abendzeitung“. Später folgte daraus eine Arbeit als freie Autorin für Pressetexte – von Bavaria Film bis zu DerHörverlag.

Irgendwann, nach Heirat, Geburt von drei Kindern, Trennung, erneuter Heirat kam der Wunsch nach Gestaltung mit den Händen, Design durch. Ich entwickelte eine Handtaschenlinie – Unikate, kein finanzieller, aber ein künstlerischer Erfolg. Um Geld zu verdienen, eröffnete ich 2010 eine Boutique – Concept Store würde man es heute nennen. Nach zehn Jahren kam wieder der Wunsch nach Schreiben durch: Ich besuchte einen Workshop bei der genialen Daniela Heggmaier – und fing an, zu zeichnen. Meine Kreativität explodierte förmlich zu Corona-Zeiten! Kunstausstellungen und eigene Workshops folgten.

Zur Hospiz- und Trauerbegleitung kam ich durch den Tod meines Vaters 2015. Dieses Ehrenamt hat mein Leben verändert: Daraus resultierten neue Themen. Ein Bewusstsein: „Das Leben kann so schnell vorbei sein!“ Meine Bereitschaft, Neues zu erleben, führte zu einer Ausbildung in „Systemisch Beraten“ und dadurch Kontakte zu einem Unternehmen und dem Auftrag für Grabmalgestaltung.

Bild von Bettina Grosselfinger

Annegret Kitzmann-Schubert: Viele Frauen wünschen sich mehr Mut. Welche Rolle spielt Mut in Deinem Leben – und wie lernt man ihn?

Bettina Grosselfinger: Mut! Was für ein tolles Thema! Ich war als junges Mädchen und junge Frau überhaupt nicht mutig. Ich war von Ängsten geprägt und sehr unsicher. Es kostete mich alles sehr viel Mut: nach München zu gehen. Im Seminar an der Uni vor vielen Leuten zu sprechen. Ich glaube, mir fehlte das Selbstbewusstsein, um wirklich mutig zu sein.

Die Liebe gab mir Mut! Als ich meinen zweiten Mann kennen – und lieben gelernt habe – das hat mein Leben verändert. Er gab mir die Bestätigung, die mir vorher gefehlt hatte. Irgendetwas in mir begann zu wachsen. Ich traf auf wunderbare Freundinnen, die mich in meiner Spiritualität bestärkten. All das machte mich mutig.

Rückblickend finde ich es mutig, eigene Taschen zu entwerfen. Einen Laden zu eröffnen. Sterbende zu begleiten. Meine Bilder in einer Ausstellung zu zeigen. An einem Literaturwettbewerb teilzunehmen. Eine Trauergruppe zu leiten. All das. Ich denke, meine Haltung zum Leben hat sich in kleinen Schritten allmählich geändert. Auch durch das Lesen! Wie schon gesagt: Spiritualität, Liebe, Veränderung.

Ich spürte, dass das alles stimmt, was ich da in Büchern und durch Freundinnen erfuhr: Demut und Dankbarkeit, Liebe und Selbstliebe führten mich zu einer inneren Stärke, die letztlich meinen Mut bedingte. Heute würde ich jeder Frau raten: Probiere es aus, wenn es irgendwie möglich ist. Vielleicht führt dich dein Mut nicht genau zu dem, wovon du träumst. Aber: er lässt dich wachsen!

Annegret Kitzmann-Schubert: Du sprichst oft von Diversifikation. Wie definierst Du Diversifikation im persönlichen und finanziellen Sinn?

Bettina Grosselfinger: Diversifikation bedeutet für mich und mein Leben: all meine Talente auszuleben. Möglichst viele der Chancen zu nutzen, die dir das Leben gibt. Nicht nur, um mein Lebensglück zu steigern, sondern auch das von anderen Menschen. Ich bin sehr dankbar, dass ich das leben durfte.

Diversifikation heißt aber auch, deinem Gegenüber vieles zuzutrauen. Jeder Mensch trägt so vieles in sich! Wie schön, wenn ich dazu beitragen darf, dass er einige seiner Begabungen auslebt oder erlebt! Das ist das Glück meiner Workshops. Im finanziellen Sinn heißt es auch, die Vielfalt der Möglichkeiten zu nutzen.

Beispiel: meine Handtaschen. Ich stellte nach der Eröffnung meines Ladens fest, dass der Verkauf von Taschen allein nicht funktionierte. Also habe ich Mode dazu genommen. Ohne viel Ahnung vom Geschäftlichen zu haben, habe ich auf mein Gespür für Frauen, für Farben und Formen vertraut – und es hat funktioniert! Später wurde aus diesem Faible für Fashion ein Thema meiner Kunst. So ergab sich auch hier wieder eins aus dem anderen.

Bild von Bettina Grosselfinger
Bild von Bettina Grosselfinger

Annegret Kitzmann-Schubert: Deine Arbeit mit Trauernden ist sehr besonders. Was bedeutet Erinnerungskultur für Dich?

Bettina Grosselfinger: Oh ja – Erinnerungskultur. In vielen Gesprächen mit Trauernden habe ich immer wieder von ihrem Ringen um eine „gesunde“ Erinnerung erfahren. Wie schwierig es ist, loszulassen und sich auf ein neues Leben einzulassen – das sie nie wollten – und gleichzeitig dem geliebten Verstorbenen einen Platz in diesem neuen Leben zu schaffen. Auch hier geht es mal wieder um Mut. Und um Akzeptanz! Jeder Mensch trauert anders. Jeder braucht seinen eigen Raum, seine eigene Zeit. Hier kann ich alle meine Erfahrungen einbringen. Das Scheitern, Krisen, Neubeginn. Meine Liebe zu den Menschen.

Die Gestaltung von Grabdenkmälern war natürlich eine wunderbare Gelegenheit, dieses Wissen mit meiner künstlerischen Begabung in Einklang zu bringen. Ich habe diesen – einmaligen – Auftrag auch genau in dieser Kombination von Eigenschaften bekommen. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar. Letztendlich hat sich daraus auch der Auftrag für eine Schulung der Mitarbeiter dieses Unternehmens in Sachen Trauer ergeben. Der erste Online-Workshop … hat mich sehr viel Mut gekostet. Eine tolle Erfahrung!

Annegret Kitzmann-Schubert: Du hast ein wunderbares Netzwerk aufgebaut. Wie nutzt Du Dein Netzwerk, um neue Projekte zu entwickeln und zu erschließen?

Bettina Grosselfinger: Auch hier kann ich sagen: alles fließt, eines ergibt sich aus dem anderen. Aus meiner Kundenkartei des Ladens haben sich erste Interessentinnen für meine Kreativ-Workshops ergeben. Dazu kamen Querverbindungen aus der Trauerarbeit. Anfangs habe ich gezögert, meine Workshops und meine Kunst bei den Trauernden bekannt zu machen – sprich dafür zu werben. Inzwischen finde ich, dass das legitim ist. Ich mache diese Trauerarbeit ja ehrenamtlich – und ich liebe diese Arbeit! Ich gebe da viel, das spüre ich. Und ich bekomme viel – Liebe, Anerkennung, Dankbarkeit. Das ist so viel.

Manche sind dann an mehr von mir interessiert – und kommen zu den Workshops oder kaufen Bilder. Das finde ich wunderbar und ich fühle mich dabei gut. Das andere Thema, das ich hier nennen möchte, ist Social Media. Durch die Vielfalt meiner Kunst – und meiner sprachlichen Fähigkeiten – konnte ich mich auf Instagram gut positionieren. Auch dadurch habe ich gute Kontakte gewonnen – eine davon wird sogar am Goldenen Abend mit dabei sein!

Bettina Grosselfinger Künstlerin
Bettina Grosselfinger

Annegret Kitzmann-Schubert: Was dürfen die Teilnehmerinnen des Goldenen Abends erwarten – welche Botschaft möchtest Du ihnen mitgeben? 

Bettina Grosselfinger: Die Teilnehmerinnen dürfen sich auf einen Abend abseits der Klischees freuen. Auf jemanden, der im klassischen Sinne keine Karriere gemacht hat – und trotzdem ein erfolgreiches Leben geführt hat und noch immer führt. Auf jemanden, der im Trauergespräch lachen kann. Der die Schönheit sucht – auch in den Krisen des Lebens.

Meine Botschaft? Begegne den Menschen in Liebe. Genieße jede Sekunde des Tages – das Leben kann so kurz – und so schön sein! Und sei zuversichtlich: aus den vermeintlichen Niederlagen erwächst oft etwas Gutes, mit dem du vorher nie gerechnet hast!

Annegret Kitzmann-Schubert: Vielen herzlichen Dank, liebe Bettina!

18. Goldener Abend: „Mein Leben, meine Talente, mein Erfolg“ mit Bettina Grosselfinger

Mut hat viele Formen – und Bettina Grosselfinger lebt sie alle. Sie ist Autorin, bildende Künstlerin, Trauerbegleiterin, Gestalterin von Grabmalen und kreative Unternehmerin. Ein Leben mit vielen Standbeinen, getragen von Neugier, Empathie und der Überzeugung: Einkommen darf aus vielen Quellen kommen – wenn wir unsere Talente ernst nehmen und neue Wege gehen.

Beim nächsten Goldenen Abend spreche ich mit Bettina über genau diese Kunst des vielfältigen Lebens: über Mut, über finanzielle und persönliche Freiheit, über Erinnerungskultur, Kreativität – und darüber, warum jeder Tag kostbar ist.

Wenn Sie Inspiration suchen, Lust auf neue Perspektiven haben oder selbst spüren, dass mehr in Ihnen steckt als ein einziger Berufsweg zeigen kann: Dieser Abend ist für Sie.

📅 Datum: 23.07.2026

📍 Ort: Neubiberg bei München

🎟️ Anmeldung: Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.

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