Ressourcen für soziales Engagement: Neun Fragen an Veronika Hochreiter

Veronika Hochreiter

Veronika Hochreiter ist seit 25 Jahren selbständige Leasing-Maklerin und Unternehmensberaterin für Kundenmanagement. Sie optimiert die Kommunikation und die Prozesse der Unternehmen zu den Kunden. Außerdem ist sie im Vertrieb für unterschiedlichste Firmen und als Seminarleiterin für Fortbildungsunternehmen tätig. Ich wollte mit ihr über Geld sprechen, weil mich ihr soziales Engagement, z.B. als Initiatorin der Aktion-Fluthilfe, nachhaltig beeindruckt hat.

Wann hattest Du zum ersten Mal im Leben eigenes Geld?
Veronika Hochreiter: „Mit 13 Jahren habe ich– mit Hilfe einer Ausnahmegenehmigung – in einer Bäckerei in Ebersberg mein erstes eigenes Geld verdient. Obwohl ich so jung war, habe ich die Aufgaben von Erwachsenen übernommen. Nach drei Wochen Ferienarbeit übergab mir der Inhaber persönlich ein Kuvert mit meinem Lohn und bedankte sich für meine Arbeit. Das war meine erste Erfahrung in der Arbeitswelt und hat mich sehr beeindruckt.“

Beschäftigst Du Dich gerne mit Geld?
Veronika Hochreiter: „Mein Handeln im Leben ist weniger vom Streben nach Geld sondern mehr vom Spaß an der Sache getrieben. Deswegen beschäftige ich mich nicht gerne mit Geld. Aber ich halte es für meine Pflicht, es zu tun und denke, dass man nur dadurch unabhängig sein kann, was mir sehr wichtig ist. Deshalb lese ich auch täglich Zeitung. Insbesondere interessiert mich der Wirtschaftsteil. Zusätzlich schaue ich regelmäßig Börsennachrichten im Fernsehen an.
Aufgrund meiner aktuellen Lebenssituation beschäftige ich mich heute mit meiner Altersvorsorge und finanziellen sowie betrieblichen Belangen in der Familie. Es geht unter anderem um Nachfolgeregelungen, Erbschaft, Anlagestrategien und steuerliche Optimierung.
Um die Gelder und Versicherungen von meinem Mann und mir kümmern wir uns gemeinsam. Spaß macht mir das nicht unbedingt. Aber ich weiß, dass es notwendig ist.“

Welchen Geld Tipp würdest Du jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Veronika Hochreiter: „Ich sehe finanzielle Unabhängigkeit als sehr wichtig an. Die grundlegende Voraussetzung dafür ist eine umfassende Ausbildung. Insbesondere warne ich vor Schulden für Konsumgüter und empfehle frühzeitig eine Vorsorge für Alter und Krankheit.
Aus meiner eigenen Lebenserfahrung weiß ich, dass sich Lebenssituationen schnell ändern können und eine Scheidung oder ein Todesfall oft auch finanzielle Sorgen bedeuten. Das habe ich in jungen Jahren unterschätzt. Ebenso, dass ich selbst einmal „alt“ und hilfebedürftig werden könnte. Vor allem wurde mir das bewusst, als meine Schwester und ich unsere Mutter alleine bis zum Tod gepflegt haben.
Gerade für selbständige Frauen halte ich die private Vorsorge für sehr wichtig. Bei der Geldanlage würde ich heute noch intensiver prüfen, mit welcher Finanzberatung ich zusammenarbeite und ich würde sehr kritisch alle Anlagenempfehlungen hinterfragen.“

Wenn Du viel Geld hättest, was würdest Du damit machen?
Veronika Hochreiter: Ich würde meinen Mann absichern und meine Familie und meine Freunde unterstützen. Danach würde ich mir ein Traumhaus am Meer an einem sonnigen Platz nach meinen Vorstellungen selber bauen und einrichten oder ein altes Haus renovieren. Ich bin eine ‚Nestbauerin‘.
Wenn dann noch Geld übrig ist, würde ich es gewinnbringend in soziale Projekte investieren.
Und wenn ich unermesslich viel Geld hätte, würde ich mir ganz besondere Antiquitäten oder Kunstgegenstände kaufen. Ein Collier von Kaiserin Sissy, einen Schreibtisch von Katharina der Großen, ein Monet Bild mit einer sommerlichen Blumenwiese oder ähnliches.“

Verwirklichst Du Deine Wünsche und Träume mit Hilfe von Geld?
Veronika Hochreiter: Nur zum geringen Teil. Einer meiner Wünsche war es, in Italien zu heiraten. Diesen Wunsch habe ich verwirklicht und trotz der Mehrkosten nie bereut.
Ein wichtiger Wunsch für mich ist es, geistig und körperlich fit zu bleiben.
Ich lege Wert auf regionale biologische Lebensmittel und Produkte. Ich gebe gerne Geld für gutes Essen und Trinken aus. Ich nehme mir Auszeiten von der Arbeit für längere Reisen oder für die Familie. Was noch auf meiner Reisewunschliste steht ist zum Beispiel Bhutan. In diesem Land ist das Glück seiner Bewohner wichtiger ist als wirtschaftlicher Erfolg und das steht so in der Verfassung.
Gelegentlich leiste ich mir auch schöne Einrichtungsgegenstände. Zurzeit arbeite ich an der Renovierung unserer Wohnung und erfülle mir meine Einrichtungswünsche.“

Du hast Dich in der Vergangenheit sehr stark ehrenamtlich engagiert. Wann hast Du das zum ersten Mal gemacht?
Veronika Hochreiter: „Als freiwillige Helferin war ich für PAX Christi im Januar 1994 für drei Wochen in einem Flüchtlingslager im heutigen Ex-Jugoslawien.“

Was war Deine Motivation?
Veronika Hochreiter: „Entsetzen darüber, dass nach den schrecklichen Gräueln der Kriege in Europa und insbesondere in den Konzentrationslagern der Nazis so etwas in unserer Nähe wieder passiert: Menschen im KZ, grausame Folter, Tod, Vergewaltigung und Vertreibung. Und kaum jemand hilft! Man denke nur an Srebrenica! Ich hatte das dringende Bedürfnis zu helfen. Uns geht es doch so gut. Wir leben in Watte gepackt, weit weg von Krieg, Erdbeben, Wasserarmut, Hungersnöten, Diktaturen, Tsunamigefahr, Arbeitslosigkeit usw.“

Was genau hast Du getan?
Veronika Hochreiter: „Flüchtlinge – Kinder und alte Menschen – betreut. Englisch gelernt, Spiele gespielt, sie einfach nur beschäftigt. Alle waren sehr traumatisiert. Später habe ich auch noch Geld gesammelt und Hilfstransporte organisiert.“

Wie war das Ergebnis?
Veronika Hochreiter: „Ich habe den Menschen Hoffnung gegeben – besonders den Kindern – in das Leben und die Zukunft und konnte ihnen zeigen, dass nicht alle Menschen schlecht sind.
Und ich habe weitergemacht: Während des Hochwassers an der Elbe 2002 war ich als freiwillige Helferin im Einsatz und letztes Jahr als Initiatorin der ‚Aktion-Fluthilfe‘. Sehr gerne würde ich auch zukünftig beruflich in dieser Richtung – Social Business – tätig werden. Weg vom reinen ‚Geldverdienen‘.“

Vielen Dank!
Übrigens: Alle Informationen über den Workshop „Mein Leben, mein Geld“ finden Sie hier. Sind Sie dabei?

 

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