Sachverhalte erforschen und Vermögen steigern: Fünf Fragen an Joachim Völkl

Joachim Völkl (l.)und Annegret Kitzmann-Schubert (r.) im Gespräch

Joachim Völkl (l.)und Annegret Kitzmann-Schubert (r.) im Gespräch

In unsere Interviewserie haben wir viele Frauen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern und Altersgruppen befragt. Und nun fehlt uns noch ein Blickwinkel, nämlich der aus der Sicht eines Mannes. Joachim Völkl beschäftigt sich schon sehr lange mit Geld, er ist Steuerberater, 78 Jahre alt und ein Kind der Kriegsgeneration. Ganz klar, dass er von vielen interessanten Geldgeschichten in seinem Leben berichten kann.

Wann hatten Sie zum ersten Mal im Leben eigenes Geld?
Joachim Völkl: „Um mir Dinge zu leisten, die ich mir sonst nicht hätte leisten können, nahm ich Ferienjobs schon während der Schulzeit und auch während des Studiums an. Die erste Arbeitsstelle war ein Gemüsegeschäft, die habe ich aber nicht sehr lange verfolgt. Diese Arbeit war schlecht entlohnt, meistens nur in Naturalien, was für mich als jungen Burschen sehr unattraktiv war. Später arbeitete ich in Architekturbüros, die sehr gut bezahlten.
Über einen guten Kontakt aus dem Tennisclub Gräfelfing konnte ich in den Semesterferien bei der Hypo Bank in der Kardinal-Faulhaber-Straße in München jobben. Dort habe ich Erlassanträge nach – ich glaube es war § 133 LAG – bearbeitet. Dem deutschen Volk war eine 1948 Währungsreform aufgebürdet worden mit der Folge, dass die deutsche Mark um 90 Prozent abgewertet wurde. Dadurch hatten die Schuldner aber auch nur noch 10 Prozent ihrer Schulden vom Vortag. Der Staat erlies sofort ein Gesetz und kreierte die sog. HGA, die Hypothekengewinnabgabe. Die Darlehensschuldner mussten diese 90-Prozent-Abwertung in Vierteljahresraten in einem Zeitraum von 30 Jahren an den Staat zurückzahlen. Viele Schuldner waren zu Tilgungsleistungen nicht in der Lage und mussten Erlassanträge stellen. In diesen Anträgen hatte man seine persönlichen finanziellen Verhältnisse darzustellen. Dies wurde überprüft durch Belege oder auch durch persönliche Inaugenscheinnahme. Ich erinnere mich noch an ein Hotel in Garmisch, dessen Inhaberin eine hübsche Tochter hatte. Ich habe dieser dann geholfen, den Antrag zu formulieren. Sie hat nach Monaten einen positiven Bescheid erhalten und wir haben uns einige Male getroffen. Aber etwas Endgültiges ist daraus nicht entstanden…“

Beschäftigen Sie sich gerne mit Geld?
Joachim Völkl: „Nicht allzu gern. Für mich steht die Sicherheit der Rückzahlung des Geldes im Vordergrund, die leider nicht immer garantiert ist. Wenn ich mich um mein Geld kümmere, dann mache ich es sehr präzise. Ich bereite meine geplante Geldanlage und auch die bereits getätigte Anlage steuerrechtlich auf. Ich berücksichtige gegebenenfalls Abschreibungen, steuerliche Vorteile und vieles mehr. In Sachen Geldanlage bilde ich mich privat auch fort. Und vor allem betreibe ich Sachverhaltserforschung. Ich tätige nur die Geldanlagen, die ich auch verstanden habe!“

Welchen Geldtipp würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Joachim Völkl: „Ganz wichtig ist aus meiner Sicht, mit den Ausgaben für den privaten Lebenswandel wie Kosmetika, Kleidung und dergleichen sparsam umzugehen, sonst werden diese Ausgaben zur Gewohnheit und ein großer Kostenfaktor.“

Wenn Sie viel Geld hätten, was würden Sie damit machen?
Joachim Völkl: „Auch mit viel Geld würde ich stets versuchen, eine Vermögenssteigerung zu erzielen, weil es richtig Spaß macht. Das Ergebnis einer Steigerung von nur einem Prozent bezieht sich – mathematisch gesehen – stets auf die Bemessungsgrundlage. Wenn diese steigt, erhöht sich auch das erzielte Ergebnis. FAZIT: das erzielte Ergebnis ist stets von der Höhe der Bezugsgröße, also der Bemessungsgrundlage abhängig. Aus diesem Grunde sollte man nicht an irgendeiner Stelle aufhören, denn die Verwendung des erzielten Einkommens-Überschusses ist ja noch gar nicht entschieden und es stehen damit viele Türen zur Verwendung offen…“

Verwirklichen Sie Ihre Wünsche und Träume mit Hilfe von Geld?
Joachim Völkl: „Gewiss! Viele Wünsche und Träume lassen sich wohl nur mit pekuniärer Unterstützung verwirklichen, doch das sind alles Dinge, die nur ICH-bezogen sind. Es gibt aber auch eine Reihe von Handlungen, mit denen man anderen Menschen wirklich helfen kann und man selbst eine innere Befriedigung erhält. Beim Beobachten meiner Mitmenschen komme ich oft zu dem Ergebnis, dass es Menschen gibt, die gerne nehmen: Sei es, dass sie im Restaurant eingeladen werden wollen, dass eine Urlaubsreise selbstverständlich mit dem Auto der anderen angetreten wird oder sie sich gerne etwas ‚leihen‘. Die wirklich Armen jedoch scheinen sich zu schämen, andere um Hilfe zu bitten. Und genau diesen Menschen zu helfen, ist für mich ein Ausdruck meines Dankes dafür, dass ich in meinem Leben sehr oft mit Schutz gesegnet war. Wenn ich an die vielen anderen Menschen denke, denen es schlechter geht als mir, bekomme ich echte Bedenken. Und diese resultieren nicht im ‚dolce farniente‘, sondern in der Aufforderung zu teilen bzw. zu geben.“

Vielen Dank!

Übrigens: Sie möchten auch über Ihre Einstellung zu Geld nachdenken? Alle Informationen über unseren Workshop „Mein Leben, mein Geld“ finden Sie hier. Sind Sie dabei?

 

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